Bis zur Wiese ;-) - ein Bericht von Tim

23.04.2017...

„Domink wie läuft`s bei dir?“ - „Ich geh gleich runter“. Rund 30 Kilometer von unserem Flugplatz Übersberg entfernt saßen wir mit unseren zwei Segelfliegern auf einer Wiese in der Nähe von Rottenburg am Neckar. Rund fünf Stunden zuvor rüsteten wir unsere Flieger für einen gemeinsamen Überlandflug. Dick eingepackt traten wir den Flug an, denn wie sich später herausstellte, waren es auf 1600 Metern über dem Meeresspiegel eisige minus 10 Grad Celsius. Wir flogen zuerst nordöstlich Richtung Heidenheim. Die Thermik war gut und wir hatten eine Basis um die 1800 Meter. Doch so schnell es hoch gegangen ist, sind wir auch wieder gesunken, teilweise mit 4 Metern pro Sekunde. Da wir in dem Alb-Ost Sektor geflogen sind, konnten wir nicht höher als 1600 Meter steigen, da wir sonst den darüber liegenden Luftraum D touchiert hätten. Der zweite Schenkel trug uns nördlich über den Hornberg an Schwäbisch Gmünd vorbei. Kurz vor Ludwigsburg wurde es dann das erste mal knapp als wir unter 1000 Meter gesunken sind. Doch wir konnten uns retten und flogen weiter in Richtung Rheintal. Die Aussicht auf die einzelnen Berge und Seen war atemberaubend. Auf dem Weg kam uns ein Kollege von unserem Startflugplatz entgegen und begleitete uns. Kurz nach Rottenburg am Neckar gerieten wir immer wieder in starkes Sinken. 900 Meter, 800 Meter, 700 Meter, der Wald unter uns kam immer näher. Der Ausweichflugplatz war schon in Sichtweite jedoch wollten wir es nochmal probieren ein Stück weiter Richtung Heimat zu kommen. Wir hatten schon zahlreiche Außenladewiesen in Sicht und schließlich erreichte mich der Funkspruch meines Kollegen Domink: „Ich geh gleich runter“. Er war circa 100 Meter unter mir und landete mit seiner Scheibe SF26 zuerst. Als er sicher auf der Wiese gelandet war, gab er mir gleich im Funk Bescheid, dass alles gut gelaufen ist. Nun war ich mit dem Discus des Vereins an der Reihe. Vor rund einem Jahr habe ich meinen Segelflugschein erworben und hatte schon einige Überlandflüge und eine Außenladung hinter mir. Dennoch war ich angespannt denn man weiß nie, was einen im Endanflug noch alles erwartet. „Mach mal Platz“ sagte ich im Funk und begann in den Endanflug zu kurven. Die Luft war sehr ruhig sodass die Landung gut gelungen ist. Nach rund 5 Stunden Flugzeit setzte ich sanft auf und rollte neben Dominik. Nun saßen wir beide auf der Wiese und informierten unsere Kollegen auf dem Übersberg, dass wir auf einer Wiese in der Nähe von Rottenburg gelandet sind. Unsere Fliegerkameraden machten die Segelfluganhänger startklar und fuhren los. Da es bereits 6 Uhr abends war, hatten wir großen Hunger, nicht zuletzt weil der Flug anstrengend gewesen ist. Dominik kam auf die glorreiche Idee einen Pizzaservice anzurufen und uns eine Familienpizza zu bestellen. „Schönen guten Tag, wir sind mit zwei Segelflugzeugen in der Nähe von Rottenburg am Neckar gelandet und würden gerne eine Familienpizza mit Schinken, Salami und Pilzen bestellen“. Der Pizzalieferant war etwas verwirrt, sagte jedoch die Lieferung zu. Nach einer halben Stunde erreichte uns die Pizza. Wir ließen es uns schmecken und referierten über unseren Flug. Um circa 23 Uhr kamen unsere Rückholer mit den Hängern an und wir konnten die Flieger sicher verladen. Erleichterung, unbändige Freude und auch ein bisschen Stolz übermannten mich, schließlich war es mein erster Flug welcher fast 5 Stunden andauerte. Durch diesen wunderschönen aber auch fordernden Flug konnte ich einige neue Dinge lernen und meinen fliegerischen Horizont erweitern. Ich danke allen, die mir diesen Flug ermöglicht haben und hoffe, dass ich noch einige solcher Flüge erleben darf.

Tim Herrlinger

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